Die Therapie

Hier findet ihr Informationen dazu, was euch jetzt voraussichtlich erwartet.

Der Neo-Aufenthalt:

Fast alle Neugeborenen mit Verdacht auf HIE müssen nach der Geburt auf die Neugeborenen-Intensivstation aufgenommen werden. Dies erfolgt vor allem, um die Neugeborenen bestmöglich zu beobachten und die verschiedenen Organe zu untersuchen. Hierbei liegt der Fokus nicht nur auf dem Gehirn, sondern auch auf dem Herzen, den Lungen, den Nieren und dem Magen-Darm-Trakt. Hierfür nutzen wir verschiedene Hilfsmittel (z.B. Ultraschall) und das Neugeborene wird an die Monitoranlage angeschlossen, damit wir den Herzschlag, die Sauerstoffversorgung und den Blutdruck messen können.

Neugeborene mit moderater bis schwerer HIE benötigen meist mehr Hilfe, da es ihnen schlechter geht. Das heißt viele der Neugeborenen werden beatmet und bekommen Zugänge, damit Medikamente über die Vene gegeben werden können. Beatmet zu sein ist unangenehm, so dass die Neugeborenen meist eine künstliche Narkose bekommen, damit sie keine Schmerzen haben. Außerdem ist es notwendig, eine Magensonde zu legen, um Milch und manchmal auch Medikamente zu geben.

Der Anblick und das Blinken der ganzen Infusionspumpen und das „Gebimmel“ der Alarme kann ganz schön stressig sein. Sprecht das Team an, um alles erklärt zu bekommen und die Notwendigkeit einzuordnen.

Obwohl das Neugeborene auf der Intensivstation liegt, braucht es seine Eltern, kann angefasst werden und manchmal auch auf den Arm genommen werden. Die Eltern sind Teil des Teams und keine Besucher – das ist ganz wichtig!

Hypothermiebehandlung: Warum müssen Kinder gekühlt werden?

Wenn bei einem Neugeborenen in den ersten Lebensstunden (in der Regel innerhalb der ersten 6 Stunden) eine moderate oder schwere HIE festgestellt wird, ist die sogenannte therapeutische Hypothermie (Kühlbehandlung) heute der internationale Goldstandard.

Was passiert dabei? 
 Das Neugeborene liegt auf einer speziellen Kühlmatte und wird für insgesamt  72 Stunden (drei Tage)  kontrolliert auf eine Körpertemperatur von 33 - 34°C  heruntergekühlt. Während dieser Zeit erhält das Kind eine engmaschige Überwachung sowie Medikamente zur Stabilisierung und für einen möglichst stress- und schmerzfreien Zustand. Nach diesen drei Tagen wird das Neugeborene langsam und kontrolliert wieder auf normale Körpertemperatur erwärmt.

Warum macht man das? Heute weiß man, dass bei einer hypoxisch-ischämischen Hirnschädigung ein wesentlicher Teil der Schädigung erst in den Stunden und Tagen danach passiert. Wenn die Durchblutung wieder einsetzt, können komplexe Stoffwechsel- und Entzündungsprozesse ausgelöst werden, welche Gehirnzellen zusätzlich belasten. Die Kühlung setzt genau hier an, denn sie soll den Stoffwechsel des Gehirns verlangsamen, den Energiebedarf der Nervenzellen senken und dabei schädliche Kettenreaktionen abschwächen. Somit kann die therapeutische Hypothermie helfen, Folgeschäden im Gehirn zu minimieren. Sie ist derzeit die wirksamste etablierte Methode, um das Gehirn des Neugeborenen in dieser Situation zu schützen und die Entwicklungschancen zu verbessern.

Zur Sicherstellung einer möglichst einheitlichen und standardisierten Versorgung von Kindern in ganz Deutschland wurde hierfür das deutsche Hypothermieregister eingerichtet (http://www.hypothermieregister.de/).

Das aEEG: Das zentrale Überwachungselement

Um die Gehirnaktivität Ihres Babys nach der Geburt gut beurteilen zu können, verwenden wir ein spezielles Verfahren, das aEEG (amplituden-integriertes Elektroenzephalogramm) genannt wird. Dabei handelt es sich um eine schonende und sichere Methode, mit der wir die Funktion des Gehirns kontinuierlich überwachen können.

Das ist besonders wichtig, wenn der Verdacht auf eine sogenannte Sauerstoffmangelschädigung des Gehirns (hypoxisch-ischämische Enzephalopathie, kurz HIE) besteht. Diese Erkrankung kann sich im Verlauf der ersten Lebenstage verändern. Deshalb ist es sehr hilfreich, die Gehirnaktivität nicht nur einmalig, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg zu beobachten. Für die Untersuchung werden kleine Elektroden an der Kopfhaut Ihres Babys befestigt. Diese messen die elektrische Aktivität des Gehirns – ähnlich wie ein EKG beim Herzen.

Ihr Baby spürt davon in der Regel nichts. Mit Hilfe des aEEG können wir zum Beispiel erkennen: - ob Krampfanfälle auftreten, die man von außen nicht immer sehen kann - wie aktiv das Gehirn insgesamt ist - und wie sich die Hirnaktivität im Laufe der Zeit entwickelt Diese Informationen helfen uns, den Zustand Ihres Babys besser einzuschätzen und die Behandlung optimal anzupassen.

Das MRT: Bilder um Sicherheit zu erlangen

Nachdem die Kühlbehandlung abgeschlossen ist und das Neugeborene wieder seine normale Körpertemperatur erreicht hat (meist zwischen dem 4. und 7. Lebenstag oder nach der 2. Lebenswoche), folgt in der Regel eine  MRT-Untersuchung.

Das MRT ist ein besonders wichtiges Verfahren, um sich ein genaues Bild von der Struktur des Gehirns zu machen und um festzustellen, ob und in welchem Ausmaß das Gehirn durch eine HIE beeinflusst wurde. Im Gegensatz zur Röntgen oder CT-Untersuchung arbeitet es mit Magnetfeldern und kommt somit ohne schädliche Strahlung aus.

Die hochauflösenden Bilder können zeigen, ob der Sauerstoffmangel sichtbare Spuren im Gehirngewebe hinterlassen hat, welche Bereiche betroffen und wie ausgeprägt mögliche Veränderungen sind.

Diese Informationen helfen dem ärztlichen Team, die weitere Entwicklung besser einzuschätzen und gemeinsam mit den Eltern die nächsten Schritte und mögliche Fördermaßnahmen zu besprechen und zu planen.